FactoryCampus Coworking

Innovationsfaktor Arbeitsplatz

Kürzlich veröffentlichte der US-amerikanische IT-Dienstleister Cognizant eine Studie über die Gestaltung von Arbeitsplätzen. Die Macher kommen darin zu dem Ergebnis, dass die Gestaltung unseres physischen Arbeitsplatzes entscheidende Auswirkungen auf unsere Kreativität und unsere Produktivität hat, weshalb ein richtiger Arbeitsplatz zu richtiger Arbeit führt. Was auf den ersten Blick vielleicht offensichtlich erscheint, hat aber doch einen interessanten Hintergrund, dem man seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Dafür muss man nur einen Blick in deutsche Bürolandschaften werfen.

Für die Studie wurden rund 500 europäische Führungskräfte befragt wurden. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich im Rahmen der Studie dafür aus, zukünftig mehr in die Arbeitsplatzgestaltung zu investieren, um Geschäftsziele zu erreichen.

Und immerhin bis 85% der befragten sprechen sich daneben auch für „Colocation“ mit aktuellen oder zukünftigen Geschäftspartnern, Nähe und attraktive Geschäftsräume aus.

Klingt alles irgendwie nach … Coworking?! Natürlich klingt das nach Coworking. Denn gut gemachte Coworking-Spaces und Corporate Coworking-Spaces bieten exakt das, was Manager als unabdingbar für den zukünftigen Unternehmenserfolg sehen: innovative Arbeitsplätze, effizienzfördernde Umgebungen und räumliche Nähe zu Kollegen und Partnern.

Weniger Schnickschnack, bessere Ausstattung

Der Kicker ist inzwischen wieder out. Der war übrigens schon out, als ich 1999 in den Google Offices in Dublin war. Dort stand zwar ein Kicker rum, genutzt wurde er aber schon damals eher selten. Heute liegt die Einrichtung von Spielecken und das Anbringen von Schultafeln im Trend, wenn es um moderne Arbeitsplatzgestaltung geht – sie sind aber oft nicht mehr als ein visueller Bestandteil moderner Büroeinrichtungen. Dort zwar mit Daseinsberechtigung, aber worauf es letztlich ankommt, sind moderne technologische Ausstattungen, die das Arbeiten erleichtern und die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf ihre tatsächlichen Aufgaben lenken.

Zuverlässige und schnelle WLAN-Verbindungen, höhenverstellbare Schreibtische, Stehhilfen und funktionierende Kollaborationstechnik sind viel wichtiger, als der Schaukelstuhl. Der ist zwar auch nicht (mehr) aus modernen Büro-Settings wegzudiskutieren und womöglich Bestandteil einer angenehmen Arbeitsatmosphäre, wie die Generation Y sie sich wünscht. Im Stapel der Beschaffungsanträge liegt der aber eher weiter unten.

Förderung der Teamarbeit durch räumliche Strukturen

Ein wichtiger Punkt der modernen Arbeitsplatzgestaltung ist (laut der Studie) die aktive Förderung von Teamarbeit. So sollten Arbeitsräume die Mitarbeiter zur Interaktion und Zusammenarbeit motivieren. Benötigt werden dafür nicht nur räumliche Kapazitäten, die das Zusammensetzen von Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen – Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung etc. – ermöglichen, sondern auch moderne Technologien, die die Teamarbeit vereinfachen.

So helfen große, hochauflösende Bildschirme und die Verwendung von interaktiven Whiteboards die Zusammenarbeit so angenehm und effizient wie möglich zu gestalten. Gerade in dieser Hinsicht sind öffentliche oder betriebsinterne Coworking-Spaces unschlagbar. Sind sie doch gerade darauf ausgelegt, den Austausch untereinander aktiv zu unterstützen und Innovation und Kreativität zu fördern. Zudem verfügen sie meist über die moderne Ausstattung und aktuellste Technologien, die die Umsetzung von Ideen erleichtern.

Visuelle Reize zur Förderung von Kreativität und Innovation

Schließlich ist die optische Gestaltung von Arbeitsumgebungen ausschlaggebend für die Förderung der Produktivität. Jeden Tag am selben Platz in den langweiligen vier Wänden des eigenen Büros zu arbeiten, kann zu weniger Elan bei den Mitarbeitern führen. Coworking Spaces sollen dabei ganz bewusst so eingerichtet werden, dass sie die Mitarbeiter motivieren und auf deren Bedürfnisse eingehen. Und manchmal führt ein simpler Tapetenwechsel (im wahrsten Sinne des Wortes) schon zum Neustart der eigenen Kreativität und Energie.

Thinking out of the Box – Wer out of the box denken soll, der muss auch out of the box arbeiten können. Schon in einfachen Meetings ist es hilfreich, nach der Pause das räumliche Setting zu ändern: eine andere Zusammenstellung der Tische oder das Meeting in einen ganz anderen Raum oder in den Wald zu verlegen, setzt neue Kräfte und Ideen frei.

Unternehmensinterne Coworking Spaces helfen durch eine gänzlich andere Arbeitsumgebung, das kreative Denken zu fördern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu forcieren.

Ein Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz

Wenn wir in Projekten über Arbeitsplätze sprechen, dann lösen wir zunächst oft ein Missverständnis auf: Ein Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz, ja. Aber ein Arbeitsplatz muss nicht zwangsläufig ein Schreibtisch sein. Sicher, gesetzliche Regelungen, die Bildschirmarbeitsplätze definieren, haben in Teilen schon ihre Daseinsberechtigung. Aber auch hier hat die Lebensrealität die Gesetzgebung schon lange überholt.

Ein Laptop heißt nicht umsonst „Schoß-oben“. Und wie viele Wissensarbeiter, Kreative und Manager arbeiten heute lieber auf der Couch, im Café oder im Zug? Arbeitsplätze sollten sich nach den Bedürfnissen der Nutzer richten, nach Arbeitssituationen und nach tatsächlichen Gegebenheiten.

Haben Sie schon mal versucht, mit mehreren Kollegen gemeinsam an einem (1) Schreibtisch zu arbeiten? Das ist unmöglich. Deswegen weicht man für diese Situationen gerne in Besprechungsräume aus, die meist ungemütlich sind, wenig inspirierend und kalt. Oder in die Teeküche. Die ist eng, es lässt sich nicht ungestört arbeiten, vielleicht läuft auch noch die Spülmaschine.

Die Vorstellung, gemeinsam an einem Schreibtisch oder in einer Küche zu arbeiten, mag auf den ersten Blick nicht sonderlich innovativ oder fördernd sein. Aber genau das ist der Punkt: Wenn Menschen die Wahl haben (weil das Angebot vorhanden ist), dann wählen sie meist das, was für ihr Arbeitssetting, für ihr out of the box-Denken am besten ist. Und das kann auch eine Küche sein.

Beispiel FactoryCampus (im Bild): Der beliebteste Arbeitsplatz im Düsseldorfer Coworking-Space ist die Community-Küche. Inspirierende Atmosphäre, ein bisschen im Kaffeehaus-Stil, ein Kicker in der Ecke und bei gedämpfter Lautstärke immer etwas los.

Und damit sind wir wieder am Anfang. Die Gestaltung von physischen Arbeitsplätzen hat entscheidende Auswirkungen auf Kreativität und Produktivität. Es ist nur eine Frage des Angebotes.

Tobias Kollewe
Tobias Kollewe ist Gründer und CEO der cowork_ag und Vorstandsmitglied im Bundesverband Coworking Deutschland.

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